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    • Michael Hieronymus Katalog
    • Wege Katalog
  • Seelenbilder als ferne Spiegel –
  • Gedanken zur Bilderausstellung von Michael Hieronymus auf der Palliativstation
  • von Stefan Lorenzl
  • Die großformatigen Bilder, die an dem einzigen Gang in der Palliativstation hängen, gliedern sich in den Raum und die Farbe der Station ein, als ob sie absichtlich und ursprünglich für diesen Raum geschaffen worden wären. An den Wänden hängend kommunizieren sie mit den Menschen, die vorübergehen und mit denen, die vor ihnen stehenbleiben. Es sind ferne Spiegel, die als Seelenbilder fungieren. Unweigerlich fühlt sich der Betrachter magisch von der subtilen, scheinbaren Monochromasie angezogen. Aus den dunklen, aber keineswegs düsteren Hintergründen treten die farbigen Gestalten unseres eigenen Ichs uns entgegen und die Bilder wirken gleichsam als Mediatoren unseres Unbekannten. Die Seelenbilder schaffen Seelenräume. Die Seelenräume enthalten Seelenspiegel. Die Seelenspiegel spielen mit den Abspiegelungen des Betrachters. Sie werfen keine Fragen zurück, sondern geben Antworten und halten den Betrachter nicht im Seelenraum gefangen, sondern erlösen ihn in einem katalytischen Prozess, geben ihm seinen eigenen fernen Spiegel mit auf den Weg.
  • Das fragmentarische Innenleben der Bilder gleicht scheinbar zerbrochenen Spiegeln, die mal mit zerbrechlicher, mal mit eindringlicher Stimme kommunizieren. Gerade diese Zerbrochenheit schafft Zugehörigkeit in den Seelenraum des Bildes. Fast fühlt man das mythische, also das kollektiv Unbewusste, uns aus den Bildern entgegentretend, für alle sichtbar, aber nicht erkennbar. Beschwörend steigen mythische Bilder des Ursprungs aus dem Dunkel ans Licht. Das andere Ufer scheint zum Greifen nah, dessen Lichter, die von Leben künden, treten uns in abgespiegelter Farbigkeit entgegen. Die Grenze zwischen Kunst und Leben, zwischen Leben und Tod und zwischen Tod und Kunst erscheint fassbar, zum Greifen nahe wie eine Fata Morgana.
  • Aber es sind keine Irrlichter, die aus den Bildern entgegentreten und scheinbar unerreichbar bleiben, sondern feste Grenzen, die in der Konversation mit dem Bildinhalt ausgelotet und begangen werden können. Die Lebendigkeit, die uns aus den Bildern anspricht, die wunderbar gepaart ist mit der Endlichkeit und Zaghaftigkeit erscheint mir vergleichbar den viel farbigeren holländischen Blumenstillleben vergangener Jahrhunderte, die in gleicher Weise durch Symbolismus und Farbe zu Kommunikation anregen. Die Bilder von Hieronymus spiegeln uns die Spuren des Lebens, des Lebens des Betrachters und des Künstlers mit verborgenem Glanz in der Mattigkeit wieder.
  • Bei längerem Betrachten verwischt das Räumliche und öffnet eine Tür, die zurück zu uns selbst führt. Die Bilder, die teilweise als Bildfolge konzipiert sind, können jedes auch isoliert für sich betrachtet und angenommen werden. Es besteht keine Notwendigkeit, den vorgegebenen Zyklen zu folgen oder sie in der Weise der Aufhängung zu interpretieren. Es gelingt dem Betrachter auch nach einer Weile, die Reihenfolge trotz bleibender Hängung in Gedanken zu vertauschen und so seine eigene Zusammenstellung zu mischen. Auch hier ist der Seelenraum des Betrachters das Ausschlaggebende und grundsätzlich Notwendige, um diese Rochade innerhalb der Ausstellung, innerhalb des eigenen gefühlten und gelebten Raumes durchzuführen
  • Fortsetzung